Kennen Sie schon die verrückte Therapie der Dankbarkeit? Es muss vor einigen Jahren
gewesen sein, als ein Patient seinem Therapeuten erzählte, wie hundeelend er
sich fühlt. Eine Diagnose fiel dem Therapeuten schwer. Doch je mehr der Patient aus
seinem Leben und von seiner Verbitterung erzählte, desto mehr verfestigte sich beim
Therapeuten ein Verdacht. Er nahm eine große Packung medizinische Pflaster aus
dem Schrank und gab sie dem Patienten mit der Aufgabe, jeden Tag 25 Pflaster auf
Dinge zu kleben, für die er dankbar ist. Der Patient war verwundert, ließ sich aber darauf
ein. „Schaden kann es ja nicht“, dachte er. Also beschriftete er täglich 25 Pflaster
mit dem Wort „Danke“ und klebte munter drauf los: das Bett, der Kühlschrank, das Auto,
die Badewanne... nach einer Woche hätte er beinahe seinem Hund ein Pflaster auf
die feuchte Nase geklebt, woraufhin er herzhaft lachen musste – zum ersten Mal seit
Jahren. Immer mehr Dinge fielen ihm ein, für die er dankbar war. Auch solche, die er
nicht bekleben konnte. Also schrieb er sie auf: die Ruhe der Nacht, das Lachen seiner
Kinder, die Berührung seiner Frau, der Geruch von frischem Brot... neben jeden Eintrag
klebte er Pflaster mit dem Wort „Danke“. Nach wenigen Wochen hatte der Patient die
Packung mit den Pflastern aufgebraucht und zeigte die leere Packung stolz seinem
Therapeuten. Dieser war sichtlich zufrieden und erklärte ihn freudestrahlend für geheilt.
Da nahm der Patient das letzte verbliebene Pflaster und klebte es auf die Brusttasche
des Therapeuten, dort, wo sein Herz für seine Patienten schlägt: „Danke“, sagte er,
„Herr Doktor, danke!“
Vielleicht eine etwas verrückte Therapie, aber eigentlich ein schöner Weg, den guten
Samen der Lebensfreude mit Dankbarkeit beständig zu gießen, damit er wachsen
kann. Dafür muss es einem Menschen nicht hundeelend gehen. Schon die Bibel ist
sich dessen bewusst: „Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam
für die Glieder.“ (Sprüche 16,24) Möge der Monatsspruch für den Juni uns nicht
nur einen Monat lang gelten, sondern für alle kommenden Tage, auf dass uns die süße
Rede der Dankbarkeit Seele und Glieder immer wieder erfrische.
Ich persönlich werde Ihnen voraussichtlich kein „Dankepflaster“ aufkleben, wenn wir
uns sehen – es sei denn, Sie wünschen sich das –, ich möchte mich aber auf diesem
Wege noch einmal ganz herzlich für den wunderschönen Tag der Ordination in der Kirche
in Bockendorf und im Heimateck in Eulendorf bedanken. Es war ein wirklich besonderer
Tag für mich und eine herrliche Begrüßung in den neuen Gemeinden, deren
Vor- und Nachbereitung viel Arbeit gemacht hat. Vor allem allen Helferinnen und Helfern,
aber auch für alle Grußworte und Gesten, für jedes Lächeln und für die vielen
freundlichen Gesichter sage ich von Herzen: „Danke!“. IhrPfarrer Sebastian Schirmer