Es ist dunkel in dieser Nacht auf der Weide. Ach, es ist nicht nur dunkel in dieser Nacht und nicht nur hier. Es ist viel Dunkel um viele herum. Auch um die drei Schattengestalten – waren es überhaupt drei, die da des nachts bei den Hürden über die Herde wachten? Egal wie viele, es waren genug, denen kein Licht leuchtete. Es sind auch heute genug. Damals, in der Nacht, wussten die Hirten noch nicht, dass auch für sie heute der Heiland geboren werden würde, dass Gott Mensch würde – gerade auch wegen ihnen, wegen uns allen. Was hätten die Hirten damals, in dieser dunklen Nacht inmitten ihres beschwerlichen Lebens, in dem vielleicht wenig Licht leuchtete, geantwortet, wenn ihnen jemand gesagt hätte: „Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.“ (Jesaja 50,1 0)? So lautet der Monatsspruch für den Dezember. Möglich, dass sie geantwortet hätten: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9, 24) Das ist die neue Jahreslosung für das Jahr 2020. Und ich meine, Grund zum Misstrauen, das den Unglauben nährt, gibt es in dunklen Zeiten, in denen kein Licht zu leuchten scheint, viel.
Ich könnte wetten, dass Sie beim Lesen das kleine Wörtchen fast beiläufig überlesen haben, um das es hier geht: Vertrauen. Vertraue auf den Namen des Herrn. Was ist der Name des Herrn? Er heißt: Ich bin da. Ja, das ist ein merkwürdiger Name. Er ist eigentlich ein Versprechen. Und zugleich ist er eine Hoffnung: Es wird immer jemand da sein. Wie gut eigentlich, wenn ich darauf antworten kann:
„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Es sagt: Ja, ich will vertrauen. Und wo es mir noch nicht gelingt, wo noch Misstrauen nagt, dort brauche ich Hilfe.
Ich muss an Paulus denken, wie er eines der vielen Male im Gefängnis saß und mitten in der Nacht ein Erdbeben das Gefängnis verwüstete. Alle Gefangenen wären frei gewesen und der Kerkermeister hörte schon sein letztes Stündlein schlagen, als es plötzlich aus dem Dunkel rief: „Wir sind alle hier.“ Das veränderte das Leben des Kerkermeisters. Und ich glaube, dass das der mächtigste Satz ist, den wir miteinander gegen jedes Dunkel sprechen können. Er wirkt wie ein donnernder Engelsgesang aus dem das Licht der Ewigkeit hervorbricht. So wie ihn die Hirten auf dem Felde erlebten, weil im Stall, in dieser zugigen, unwirtlichen Behausung, Raum war für Hohe und Tiefe, die vor dem Leben, das dort begann, ihre Knie beugten, um neu anzufangen. Dort war Gott und sprach: Ich bin da. Und ich Vertraue darauf, dass der Name des Herrn nicht nur in einer einzigen, besonderen Nacht als Licht das Dunkel durchbrach, sondern dass er das immer und immer wieder tut: Ich bin da, gestern und heute und morgen und alle Zeit. Wie gut, wenn ich darauf antworten kann, auch wenn mir manchmal noch der Glaube fehlt: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“
Und ich vertraue darauf, dass wir uns einander dabei helfen können. Zum Beispiel, indem wir in dunklen Zeiten einander zurufen: „Wir sind alle hier.“ Dann mag es dunkel sein in der Nacht wie es will, aber es rückt die Schattengestalten ins rechte Licht. Es nährt das Vertrauen. Manchmal verändert es das Leben. Und das wäre doch schon sehr viel, oder!? Für den Rest verlasse ich mich auf Gott. Schließlich ist er in dieser ersten aller Heiligen Nächte Mensch geworden – für uns alle. Er wird es seither in jeder Heiligen Nacht, um mit uns zu leben und mit uns etwas zu beginnen, das bleibt... für immer und ewig.
Ein gesegnetes Weihnachtsfest und guten Übergang in das neue Kalenderjahr wünscht Ihr Pfarrer, Sebastian Schirmer.