Liebe Geschwister,
wie reden wir miteinander oder oft auch übereinander? Wortfetzen, die ich unterwegs aufschnappe lassen mich nachdenken über unseren Umgangston. Ich höre: „ Die Merkel muss weg.“ oder „meine bekloppte Nachbarin...“, „ Wir brauchen eine Festung Europa!“, „Schule versaut mir mein ganzes Leben.“, „Der Hirni gehört weggesperrt.“ , um nur ein paar zu nennen.

Oft erlebe ich negative Rede im Miteinander, erst recht im Übereinander und rede selbst schlecht. Was macht das mit uns? Wir kontrollieren ständig unsere Worte; rede ich zu gut, bin ich falsch, rede ich schlecht, muss ich aufpassen, dass es nicht gegen mich verwendet wird. Daraus entstehen Gruppen. Eine
Gruppe derer, die zu einem Thema eine bestimmte Meinung haben und die Gruppe, die eine andere Meinung haben, stehen sich gegenüber, feindlich gesinnt, verstehen den anderen nicht oder nicht mehr. Aus unfreundlicher Rede wird gewalttätige Sprache, wird Unversöhnlichkeit und am Ende?
Die Sprüche raten uns: „Freundliche Reden sind Honigseim, trösten die Seele und erfrischen die Gebeine.“ Sprüche 16,24 Was für ein Vergleich! Bleiben wir beim Honig. Er ist süß. Die Süße ist wie Schokolade gut fürs Gemüt und Balsam für die Seele. Er geht sofort ins Blut und ist Kraftspender, Antrieb, wenn wir neuen Schwung brauchen. Er hat antibakterielle und heilende Wirkung. Wunden heilen schneller, sogar ohne Narben zu bilden. „Ein Löffel Honig pro Tag und du wirst 100 Jahre alt.“, sagen die Imker.

Wenn wir freundliche Reden so wie Honig genießen können, dann haben sie also auch die gleiche Wirkung auf uns: Sie erfreuen uns, wir fühlen uns gehört
und gesehen, wir sind ermutigt, wir bekommen neue Kraft, wir begegnen uns gern, wir haben uns etwas zu erzählen, unserem Inneren geht es gut, wir werden gebraucht, sind etwas nütze... Und wenn wir freundlich mit anderen reden? Das ist für beide Seiten gut, tut gut. Ich verstehe diesen Vers als eine Empfehlung dessen, der gut mit uns redet. Gott selbst redet nicht schlecht über und auch nicht mit uns. Mit seinem Wort „schmiert er uns
keinen Honig ums Maul“ und es schmeckt uns nicht immer süß.(Ich habe mir sagen lassen, dass es durchaus sehr herbe Honigsorten gibt.)Aber immer will uns sein Wort ermutigen, stärken, helfen, aufrichten. Damit gibt uns unser Herr selbst ein Beispiel dafür, wie freundliche Rede gelingen kann. Die Bibel lädt uns ein, uns von den Worten Gottes inspirieren zu lassen, es dann in unserem Miteinander ebenso zu versuchen.
Einen guten Sommer und gesegnete Urlaubszeit wünscht euch und Ihnen
Ihre Pfarrerin Diemut Scherzer