Abschied

Liebe Gemeinden,

als ich im Januar 2019 zum ersten Mal in Bockendorf war, Friedrich Scherzer traf, der mir das Pfarrhaus und die Kirche zeigte und ich anschließend mit dem Auto noch über die Dörfer fuhr, war ich aufgeregt und gespannt, voller Vorfreude. Aber ich war auch ein wenig ungewiss: Wie wird das sein, mit den neuen Gemeinden? Wie werde ich als neuer Pfarrer aufgenommen werden? Werde ich den Ansprüchen genügen?

Dann folgten die ersten Begegnungen: Im Konvent, mit den Kollegen, und bei dem einen oder anderen Gottesdienst, in dem ich mich inkognito auf die Empore schlich. Und es waren jeweils freundliche, offene, interessierte erste Blicke und Worte, die mich froh und zuversichtlich stimmten.Als ich schließlich im März 2019 in Bockendorf, in der brechend vollen Kirche, ordiniert wurde und im Heimateck zwischen allen Willkommensgrüßen viel Lachen hallte, war das ein wunderbarer Auftakt. Ich denke immer noch sehr gern daran.Inzwischen sind beinahe drei Jahre vergangen. Meine Probezeit endet am 28. Februar 2022 und allem Anschein nach steht meiner Ständigwerdung nichts im Wege. Das ist natürlich sehr erfreulich, zwingt mich aber auch, über die nun folgenden Schritte und Wege konkreter nachzudenken als bisher. Es ist mir nicht leicht gefallen, diese Entscheidung zu treffen und wir haben sie als Familie lange hin und her bewegt. Denn ich bin gern und nach meinen Kräften und Möglichkeiten in den Dörfern von Langenstriegis bis Berbersdorf sowie in Hainichen unterwegs, habe die Menschen hier, habe Euch und Sie in vielerlei Zusammenhängen kennen und schätzen gelernt - auch wenn die Pandemie es uns in den vergangenen zwei Jahren nicht immer ganz leicht gemacht hat. Es lagen viele gute Worte, Bestärkungen und unzählige tatkräftige Unterstützung, Planungen, Ideensammlungen oder einfach frohe Abendstunden auf dem Weg der vergangenen drei Jahre. Und ich bin Gott und Euch und Ihnen von Herzen dankbar für alle freundlichen, auch kritischen, lebendigen Begegnungen. Ich denke, wir konnten Einiges miteinander bewegen, anstoßen, sogar fertig und auf die Beine stellen, an das ich gern und froh zurückdenken werde. Ich gehe nicht ohne Wehmut, weil hier Beziehungen gewachsen sind und Begonnenes von mir nicht zu Ende gebracht werden kann. Dennoch wird es Zeit, diesen nächsten Schritt zu gehen.Wenn ich mich nun, voraussichtlich ab Januar 2022, erstmals auf eine Stelle werde bewerben können, werde ich mich nach Leipzig bewerben. Wann genau der Wechsel erfolgt, ist jetzt noch nicht abzusehen. Vielleicht schon im März, vielleicht aber auch erst einige Zeit später. Und ich hoffe aufrichtig, dass wir uns in der verbleibenden Zeit weiterhin offen, freundlich und zugewandt begegnen können, einander das Beste und Gottes guten Segen wünschen; und wenn die Zeit des Abschieds heran ist, gern an die Jahre, Tage und Stunden denken, die uns miteinander geschenkt waren.

Herzlich, Pfarrer Sebastian Schirmer