Andacht

Liebe Gemeinde,

wieviel Leid kann ein Mensch ertragen?

Bei Trauergesprächen höre ich oft von unfassbarem Leid, das Menschen erdulden mussten, von Schicksalsschlägen, von Trennung, von langer schwerer Krankheit. Hinterbliebene leiden unter Verlusterfahrungen.

Täglich sehen wir in den Nachrichten das Leid, welches der Krieg mit sich bringt: Zerstörung, Verletzung, Tod, Flucht ...

Angesichts des Krieges gerät Corona fast schon in Vergessenheit. Aber das Leid ist noch da, die vielen Spätfolgen und psychischen Verletzungen, die Einsamkeit. In der Passionszeit bedenken wir den Leidensweg von Jesus: verfolgt, verhaftet, gefoltert, unschuldig zum Tod verurteilt, gekreuzigt, unter Qualen gestorben. - Was hat sein Leid mit unserem Leid zu tun?

Das Leiden von Jesus hat nur dann eine Bedeutung für uns, wenn wir in Jesus mehr sehen, als einen Menschen, nämlich den Sohn Gottes. In seinem Sohn leidet Gott mit uns mit. Gott ist in unserem Leid nicht abwesend, nein, er ist uns nahe und leidet mit. Wenn ich auf das Kreuz von Jesus schaue, wird mein eigenes Leid erträglicher. Manchem Kranken habe ich schon ein kleines Holzkreuz geschenkt. Ein Kreuz, an dem ich mich festhalten kann, wenn mich der eigene Schmerz zu überwältigen droht. Mein Verstand ist überfordert mit der Frage nach dem „Warum?'. Ich kann es nicht verstehen, ich kann nur am Kreuz von Jesus und an Gottes Wort festhalten:

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben."

Ihr/Euer Pfarrer Friedrich Scherzer